Elternzeit-Plus

Angeregt durch den Elterngeld-Post bei dasnuf.de habe ich in letzter Zeit auch viel über meine „Elternzeit“ nachgedacht. Man könnte sie aber eher „Elternzeit-Plus“ (EP) nennen.

Beruflich bin ich seeeeeeeehr flexibel. Das hat viele Vorteile (eben meine EP), aber auch so einige Nachteile (geringeres Einkommen). Offiziell hatte ich zwei Monate Elternzeit genommen, den 13. und 14. Lebensmonat von Töchterchen 1.0. Aber auch in meiner Elternzeit musste ich arbeiten gehen, da ich letztendlich nur den Mindestsatz von 300€ erhalten habe (Stichwort: geringes Einkommen). Zwar waren es dann ein paar Arbeitstage im Monat weniger, aber keine 100%ige Freiheit. Jedoch war ich auch die 12 Monate vorher nie wirklich durchgängig auf Arbeit, sondern konnte auch da schon häufiger für’s Töchterchen da sein.

Aber mit Beginn meiner Elternzeit begann meine Frau mit ihrem Vikariat.

Für uns hieß das: Ein Auftakt  von vielen, vielen Seminarfahrten. Und ich mit Töchterchen 1.0 immer im Schlepptau. Seminare in Brandenburg/Havel, Predigerseminare in der Lutherstadt Wittenberg oder auch die Klinische Seelsorgeausbildung im Kloster Lehnin: wir beide waren immer mit dabei. Während die weltbeste Ehefrau sich ihrer Ausbildung widmen musste, übte ich mich im Papa-Sein. Das ging weit über meine zwei Monate Elternzeit hinaus. Allein innerhalb der letzten 12 Monate waren es über 80 Seminartage in Wittenberg, die Töchterchen und ich gemeinsam genießen durften. Dazu noch zwei Wochen in Lehnin.

Die viele gemeinsame Zeit hat uns beide sehr geprägt: Nachdem der 1. richtige Abschied von Mama beim 1. Seminartag in Brandenburg/Havel noch schmerzhaft (Mama war vorher nämlich immer! da) und ich als Papa ehrlich gesagt dann doch sehr unsicher war, hat das alles einen eigenen Verlauf genommen. Tränen und Geschrei, wenn plötzlich Papa losging kamen immer häufiger vor. Man entwickelte gemeinsame Routinen (die Haare entfilzen gehörte da leider nicht zu..), erlebte Abenteuer (ein Tagesausflug von Wittenberg in den Leipziger Zoo oder eine Radtour inklusive Regendusche) und genoss die vielen schönen Papa-Tochter-Momente.

In Wittenberg waren wir zum Glück auch nie alleine. Stellenweise rannten elf weitere Kinder durch die Gemäuer und Gärten des Predigerseminars. Wir hatten viel Spaß, man tauschte sich aus und unternahm gemeinsame Touren durch Wittenberg. Und: es gab hier einen weiteren Papa, der alleine in Elternzeit war. Es war (noch: ist) eine schöne Zeit.

Warum ich das schreibe? Weil die letzten Tage des Predigerseminars anbrechen. Die letzten 11 Tage. In gewisser Weise ist es auch ein Ende der Elternzeit-Plus. Zurück in Berlin wird es weiterhin Tage geben, an denen Töchterchen 1.0 und ich alleine unterwegs sind. Aber einzelne Tage sind kein Vergleich zu den über 80 Tagen die wir hier hatten. Diese Zeit war das größte Geschenk, dass ich als Papa mir vorstellen kann. Zeit mit dem Kind. Zeit zum gemeinsamen Wachsen. Töchterchen als Kind, ich als Papa.

Ich werde all das hier vermissen. Und dabei habe ich noch kaum ein Wort über die großartigen Leute verloren, die ich hier kennenlernen durfte. Meine erste Zeit als Pfarrfrau hätte dahingehend kaum schönere Nebenwirkungen haben können. Bei Kind 2.0 wird es all das nicht geben und doch hoffe ich, dass auch da die gemeinsame Zeit umfangreich wird.

tl;dr Väter, nutzt eure Elternzeit und nehmt mehr als zwei Monate davon in Anspruch und macht sie gefälligst auch unabhängig von der Mama!

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2 Gedanken zu “Elternzeit-Plus

  1. Dein tl;dr gefällt mir (nicht nur inhaltlich sondern auch als Idee für den Abschluss von Blogposts). Ich bin auch ganz fasziniert, dass man eine solche Abwesenheitsphase durch Seminare auch so nutzen kann, dass man gemeinsam vor Ort ist.
    Auf die Idee wäre ich niemals gekommen.

    1. Für uns drei wäre es niemals vorstellbar gewesen, dass Töchterchen und ich wochenlang alleine zuhause sind. So, wie wir es jetzt gelöst hatten, war es für uns wirklich die beste Lösung.

      Edit: Das ging und geht natürlich nur, weil ich beruflich so flexibel bin. Gleichzeitig wurde es nicht von allen Seminarleitungen immer gerne gesehen, dass wir dabei waren.

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