Das Gedankenkarussel um die Kinderbetreuung

Töchterchen geht seit über einem Jahr in einen Kinderladen. Anfangs waren wir ganz zufrieden mit der Betreuung. Zwischenzeitlich ging sie relativ gerne hin und erzählte auch immer wieder gerne von den Kindern und fragte außerhalb der Kinderladenzeit nach ihnen und den Erziehern. Das hat mehr und mehr nachgelassen. Gleichzeitig wurden die Tränen immer zahlreicher wenn es darum ging in den Kinderladen zu gehen. Außerhalb der Kinderladenzeit sind weder die Kinder noch die Erzieher Thema für sie. Während wir in Wittenberg waren (jeweils mehrere Wochen in den letzten Monaten) kam das Thema Kinderladen nie bei ihr auf.

Im Gegensatz dazu fällt auf, dass bestimmte Kinder (einige davon, die sie nur in Wittenberg traf), und auch 1-2 weitere Kinder aus ihrem Alltag hier in Berlin, immer wieder Thema für sie sind. Aber nicht nur Kinder, sondern auch einige weitere Erwachsene (neben uns Eltern und den Großeltern) sind für sie sehr bedeutend (auch aus Wittenberg). Auch für’s Töchterchen fiel daher der Abschied aus Wittenberg schwer.

Es gibt da also eine klare Diskrepanz zwischen der Kinderladenwelt und dem anderen Leben.  Für ersteres kann man sie kaum begeistern. Aber nicht nur das Namedropping ist unterschiedlich gewichtet, sondern auch ihr Verhalten. Während sie zuhause und in Kontakt mit vielen anderen Leuten immer als extrem kontaktfreudig und offen wahrgenommen wird, sie abenteuerlustig ist und sportlich, so ist sie im Kinderladen sehr stark zurückgenommen. Die Male, die ich sie da erlebt habe, verhielt sie sich nicht so, wie ich sie sonst kenne.

Die Beobachtungen der letzten Zeit haben mich zum Nachdenken gebracht und wir haben zuhause schon viele Gespräche geführt. Viele Fragen schwirren mir im Kopf rum: „Tut ihr die Betreuung im Kinderladen gut?“, „Was lernt sie dort, was sie nicht auch außerhalb dieses Kinderladenumfelds lernen kann?“, „Kann man nur durch Kita/Kinderladen lernen, wie es ist sich in einer Gruppe zu bewegen?“.

Die zentralste Frage ist aber: Können wir es irgendwie ermöglichen sie zuhause zu betreuen? Durch meine Frau, mich, Oma und weitere Freunde und Bekannte?  Welche Vorteile hat das für sie, welche Nachteile könnte es mit sich bringen?

Wir haben zuhause sowieso schon sehr oft über das gesamte Thema „Unschooling“ nachgedacht. In Deutschland ist es leider verboten, jedoch suchen wir seit Ewigkeiten nach Wegen  Töchterchen vor einem „normalen“ Schulbesuch zu bewahren und sie auf eine freie Schule zu bringen. Diese Überlegungen haben viel mit den schlechten Schulerfahrungen von meiner Frau und mir zu tun. Das wollen wir unserer Tochter nicht antun. Gleichzeitig ist sie auch ein Kind, dem es unglaublich schwer fällt auch nur zwei Minuten ruhig zu sitzen. Die Gefahr als ADHS-Kind gebrandmarkt zu werden besteht bei ihr. Das im Zusammenhang mit der normalen Schulsituation könnte eine brisante und für sie sehr frustrierende Erfahrung sein.

Diese Überlegungen stehen im starken Zusammenhang mit den aktuellen Überlegungen zum Thema Kinderladen. Wir haben uns noch nicht entschieden, wie wir es weiter handhaben wollen, sind jedoch derzeit auf das große Gedankenkarussel aufgestiegen und schauen, wohin es uns trägt.

tl;dr Töchterchen ist glücklicher außerhalb des Kinderladens. Wir überlegen, wie wir eine andere Betreuung umsetzen können.

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Ein Gedanke zu “Das Gedankenkarussel um die Kinderbetreuung

  1. bin gerade auf diesen beitrag gestoßen – ist ja jetzt genau ein jahr her. gibt es eine fortsetzung? würde mich sehr interessieren! dieses „kriegen wir das irgendwie anders hin?“ ist für mich auch grade eine drängende frage bei der kinderbetreuung. (bei k1 und k2 aus unterschiedlichen gründen). martin

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