#Gamergate? Noch nie gehört!

Als Kind, Jugendlicher und junger Erwachsener habe ich viel Zeit am Computer mit Spielen verbracht. Sehr viel Zeit. In den letzten Jahren kam ich nicht mehr so viel dazu, aber ich verfolge die Spielszene weiterhin. Lese mir einige Testberichte durch, schaue mir Videos zu Spielen an und träume schon immer wieder mal davon eine Konsole zuhause zu haben, an der ich ab und zu mal zocken könnte. (Dann fällt mir zwar immer wieder sofort ein, dass ich dafür keine Zeit hätte, aber man wird ja noch träumen dürfen.)

Auch mitbekommen habe ich in diesem ganzen Kontext die Debatte um #Gamergate. Falls ihr von all dem noch nichts mitbekommen habt, fordere ich euch hiermit auf die beiden folgenden Artikel zu lesen. Feminismus meets Games und damit schlagen hier zwei Herzen von mir höher:

Die Gewalt der Gamer (von Daniel und Helga bei herzteile.org veröffentlicht)

und

There’s something happening here. Games-Kultur im Wandel? (von Lucie bei kleinerdrei.org veröffentlicht)

Die Filme (veröffentlicht unter feministfrequency) von Anita Sarkeesian, um die es auch in dem verlinkten Beitrag geht, solltet ihr euch auch unbedingt anschauen. Den hier zum Beispiel als Einführung:

 

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Rettet endlich die Hebammen, verdammt!

Durch einen Tipp von Hannah*Rosenblatt bei Twitter habe ich mir die Dokumentation Anjas letzte Geburt in der ARD-Mediathek angeschaut und bin noch immer stinkwütend. Aber nicht über die Filmemacher*innen, sondern die Politik.

Die Dokumentation begleitet die Hebamme Anja über 1 Jahr hinweg bei ihrer Arbeit und immer mit dem Blick auf das Ende ihrer Arbeitszeit zum 31.12.2014, weil sie nicht mehr weiß, wie sie die steigenden Beiträge für die Haftpflichtversicherung bezahlen soll.

Gut zu sehen ist die Bedeutung des Berufes Hebamme. Viele werdenden Eltern sind glücklich eine Hebamme an ihrer Seite zu haben, die sie mit allerlei Fragen löchern können. Auch wir waren froh bei der Schwangerschaft unserer beiden Kinder so wundervoll betreut worden zu sein. Auch wenn sich unsere Frauenärztin viel Zeit nimmt, so ist es mit einer Hebammenbetreuung noch immer bei weitem nicht zu vergleichen.

Das staatlicherseits nicht schon lange etwas geschehen ist um die freiberuflichen Hebammen beim Thema Haftpflichtversicherung zu unterstützen ist einfach ungeheuerlich. Nicht nur drängt man damit freiberufliche Hebammen die Hausgeburten betreuen aus dem Job, sondern auch einige, die schon bislang nur noch für die Vor- und Nachsorge da waren, geben auf.

Es ist einfach zum Haare ausraufen! Dieser Beruf ist so wichtig und konsequent werden den Hebammen Stöcker zwischen die Beine geworfen. Am letzten Freitag wurde auch bekannt, dass die Krankenkassen den Schwangeren die Möglichkeit ihre Kinder zuhause unter Betreuung einer Hebamme zur Welt zu bringen erschweren wollen. Sie wollen die Kosten für die Betreuung einfach nicht mehr bezahlen, sobald einige Ausschlusskriterien, die vom Hebammenverband als wissenschaftlich nicht belegt bezeichnet werden, erfüllt sind. Ein Ausschlusskriterium ist schon das Überschreiten des errechneten Geburtstermins! Damit würde jeder zweiten Schwangeren sofort die Möglichkeit entzogen werden zuhause zu entbinden.

Mich macht das alles so fassungslos und ich gebe langsam die Hoffnung auf, dass sich beim Thema Haftpflicht für Hebammen noch etwas ändert.

Wir alle sollten die Hebammen trotzdem unterstützen! Und jede Stimme ist wichtig! Mehr Informationen dazu unter „Unsere Hebammen“.

 

Der Teufel, das sind die Anderen

Die folgende Predigt fnde ich besonders eindringlich und sprach mich sehr an. Darum will ich sie mit euch teilen. Beim Lesen der Predigt in der der Gedanke, dass das „Böse“ immer als etwas äußeres, externes angesehen wird, musste ich unweigerlich an so mancherleich Bewegungen der letzten Zeit denken Pegida, Antifeministen, Gamergate. Der Teufel, das sind die Anderen.

Geschrieben hat die Predigt Susanne Brusch. Sie ist Pfarrerin im Entsendungsdienst in einem kleinen, heimeligen Ort in Brandenburg.

Satan. Beelzebub. Luzifer. Teufel. Er hat viele Namen. In der Kunstgeschichte erscheint er mal als Mensch, mal als Tier, mal als ein Monster. Aber er hat immer bestimmte Merkmale, an dem man ihn erkennen kann: Bocksfüße, behaarte Beine, einen Schwanz und Hörner. Menschen haben sich in der Geschichte viele Bilder vom Teufel gemacht.

Als Jesus nach seiner Taufe vom Teufel versucht wird, beschreibt der Evangelist Matthäus nicht wie der Teufel aussieht. Er schreibt: Jesus wird vom Geist in die Wüste geführt. Dort sollte er vom Teufel auf die Probe gestellt werden. Kein Wort über die Äußerlichkeiten, das scheint gar nicht wichtig zu sein. Dafür schreibt Matthäus ausführlich über den Inhalt der Versuchung.

Die vielen Namen des Teufels bedeuten übersetzt: der Widersacher, der Entgegen-Steller, der Morgenstern, der Versucher. Der Versucher. Mit diesem Namen, dieser Bedeutung kann ich am Meisten anfangen. Denn ich habe Erfahrungen mit der Versuchung – weil ich ein Mensch bin, und weil ich an Gott glaube.

Jesus ist der Versuchung auf zweifache Art ausgeliefert: Einmal als Mensch und einmal als Gottes Sohn. Während er in der Wüste, oben auf der Tempelzinne und hoch oben auf dem hohen Berg steht kämpfen in ihm seine Naturen: das Menschliche und das Göttliche.

Seinen menschlichen Hunger könnte er als Gottes Sohn selbst stillen. Seinen menschlichen Willen nach Selbstbestimmung und Macht über Gott könnte er stillen, indem er vom Tempel springt und sich retten lässt. Als Gottes Sohn könnte er die ganze Welt, alle Völker dieser Erde beherrschen. Als Sohn des Allmächtigen Gottes könnte Jesus all das tun.

Ich finde es bemerkenswert, dass all diese Möglichkeiten Jesus nicht erst durch den Teufel gegeben werden. Diese Möglichkeiten bringt Jesus selbst mit. Sie sind ein Teil von ihm und nun, geschwächt durch die lange Fastenzeit, durch einen extremen Hunger nach 40 Tagen und Nächten ohne Nahrung, da geraten die zwei Naturen in ihm aneinander.

Jesus wird im Matthäusevangelium an mehreren Stellen versucht und immer steht dabei nicht der Teufel selbst, sondern Jesu Ringen mit sich selbst und seinem Weg im Vordergrund. Jesus weiß, dass sein Weg ihn nach Jerusalem ans Kreuz bringen wird. An einer Stelle kündigt er seinen Tod vor den Jüngern an und Petrus versucht, Jesus von seinem Vorhaben abzubringen. Darauf sagt Jesus zu ihm: „Geh weg von mir, Satan!“ Petrus, in dessen Gestalt Jesus den Satan zu erkennen meint, hat einen wunden Punkt bei Jesus getroffen: Als Gottes Sohn muss er den Weg ans Kreuz gehen. Als Mensch würde Jesus sich eigentlich gerne von diesem leidvollen Weg abbringen lassen.

Die letzte Versuchung spielt sich im Garten Gethsemane ab. Zweimal bittet er Gott darum, doch nicht sterben zu müssen, diesen Becher nicht austrinken zu müssen. Aus ihm spricht die ganz menschliche Angst vor Leiden und vor Tod.

In diesen beiden Versuchungsgeschichten tauchen vor Jesus wieder Möglichkeiten auf, wie es anders, wie es leichter sein könnte. Wenn Jesus versucht wird, sei es durch den Teufel oder durch Petrus, dann hadert er eigentlich mit sich selbst.

Vielleicht spielt deshalb in diesen Geschichten die äußere Gestalt des Teufels keine Rolle. Weil die Versuchung, die Jesus erlebt nicht wirklich von außen kommt, sondern von innen. Ich glaube, der Teufel und seine Gestalt(en) haben in der Geschichte eine so große Karriere gemacht, weil es den Menschen leichter fällt das Böse als etwas von außen zu betrachten. Der Versucher in seiner unheimlichen Gestalt hat seinen Grund so nicht im Menschen, sondern in einer widergöttlichen Macht. Das ultimative Böse im Bild eines behörnten, bocksfüßigen Monsters.

Im ersten Testament steht der Versucher jedoch im Dienst Gottes und tritt als Ankläger der Menschen auf. Im zweiten Testament verklagt er die Gerechten vor Gott, er verursacht Krankheiten und verleitet Menschen zur Sünde. Die Vorstellungen vom Teufel erreichen im Mittelalter ihren unheimlichen, blutigen Höhepunkt: man meint ihn im Islam zu erkennen, in den Juden, in Ketzern und Hexen und er wird bekämpft mit Waffen und Feuer. Luther meinte, den Teufel in den Türken und im Papst zu erkennen. In diesen Vorstellungen war der Teufel auch immer jemand von den anderen, jemand von außen, dem man die Schuld über das Böse in der Welt in die Schuhe schieben konnte.

Mittlerweile glaube ich, dass es eine eigene Form der Versuchung ist, für den Teufel Bilder oder Menschen, in denen er wirkt zu finden. Oft war das Bild des Teufels nur eine Ausrede, um Gewalt anwenden zu können. Gewalt ist aber niemals der Weg Gottes.

Im Predigttext wirkt der Teufel, der Versucher abstrakter: Er wirkt in dem, was Jesus tun könnte: Seine Macht ausnutzen, vor der Verantwortung weg laufen, Gott untreu werden. Mir scheint dieses „Könnte“ ist die eigentliche Gestalt des Versuchers.

Die Geschichte von Jesus in der Wüste, auf dem Tempel und auf dem Berg lehrt, wie ich mit diesem Könnte umgehen kann. Jesus stößt den Versucher nicht sofort von sich, er setzt sich stattdessen in aller Ruhe mit ihm auseinander und hört sich an was er zu sagen hat. Wenn du der Sohn Gottes bist, befiehl doch, dass die Steine hier zu Brot werden. Wenn du der Sohn Gottes bist, spring hinunter! Das alles alles werde ich dir geben, wenn du dich vor mir niederwirfst und mich anbetest. Nur, weil er hingehört hat, kann er auf die Versuchung reagieren. Jesus pariert mit Worten und Gehorsam Gott gegenüber. Nicht um Brot allein geht es, sondern um die Worte aus Gottes Mund. Gott soll man nicht auf die Probe stellen. Gott allein soll man anbeten.

Man muss nicht Jesus sein, um die Erfahrung des anstrengenden, aushungernden Wüstenwanderns gemacht zu haben. Man braucht nicht mal unbedingt eine Wüste. Das hinterlistige Könnte, dem Jesus begegnet ist, kann mich auch so immer mal wieder erwischen.

Das Könnte spricht dann meine Sprache und trifft meine wunden Punkte. Meine innersten Hoffnungen und Wünsche, denen ich sonst kein Gehör schenke. Aber wenn ich es wie Jesus halte und genau hin höre, dann lerne ich dabei etwas über meine eigene Natur, über meine Beschaffenheit.

Ich glaube, Gott hat den Menschen nicht ohne Grund mit einem freien Willen ausgestattet. Wir sind zur Freiheit berufen. Und Freiheit bedeutet: Möglichkeiten haben, andere Wege sehen können, ausprobieren dürfen und sich entscheiden können. So gesehen sind die Versuchungen, die Anfechtungen die ich erlebe nicht zwangsläufig schlecht oder böse. Sie zeigen mir, wie es auch sein könnte und nur dadurch kann ich eine Entscheidung treffen. Ohne vorheriges Hadern und anstrengende Infragestellung kann es zu keiner Vergewisserung kommen. Anfechtungen kommen nicht von einem behaarten Monster mit Hörnern. Tatsächlich sind sie Umarmungen Gottes.

Amen.

Kindliche Mediennutzung – aber wie?

Alles fing mit diesem Satz vom Großkind an: „Mama, ich will auch so ein großes Handy haben, wie der Junge im Haus gegenüber und es dann hinlegen.“
Wir: „HÄ? Was willst du haben?“
Großkind: „Ein großes Handy zum hinlegen.“
Wir: …??…… AH!

Großkind wollte ein iPad. Ein paar Tage zuvor waren wir bei einer Bekannten und ihrem Sohn zu Gast. Der Sohn ist in etwa genauso alt wie unser Großkind, also ca. 3,5 Jahre. Und er holte einfach irgendwann das iPad raus, tippte wie wild, aber zielgerichtet (startete mehrere, ihm scheinbar bekannte, Apps) darauf herum und Großkind stand daneben und schaute zu.

Und nun wollte sie auch unser iPad nutzen. 1000 Gedanken gleichzeitig sprangen in meinem Kopf hin und her. Ich startete eine App zum Malen, aktivierte den geführten Zugriff und gab ihr das iPad. Nach 10 Minuten war sie fertig und gab es mir zurück.

Und seitdem ist da dieses Thema in meinem Kopf: Wie um alles in der Welt wollen wir es mit der Mediennutzung handhaben?

Meine Frau und ich haben darüber schon mehrmals geredet. Beim Thema Fernsehkonsum sind wir uns komplett einig: gibt es nicht bevor Großkind um einiges älter ist.
a) Haben wir keinen Fernseher zuhause (nachdem der letzte mit einem Standbild von Joey auf seinem Fernsehsessel sitzend kaputt ging)
b) bereiten ihr bewegte Bilder schnell Angst
c) wir lesen lieber Bücher mit ihr oder hören Hörspiele (die ihr manchmal Angst machen).

Das Thema iPad bzw. Computernutzung im Allgemeinen ist für mich aber ein ganz anderer Schuh. Und hier greifen natürlich meine eigenen Kindheitserfahrungen mit in meine Überlegungen ein. Der 1. Kontakt mit einem Computer war mit dem C64 meines großen Bruders Anfang der 90er Jahre. Ich war noch sehr jung (unter 10 Jahren) und hatte natürlich noch nicht viel selbst daran herumgetippt, aber es gab einen Computer und wann immer mein Bruder da dran war, saß ich daneben und guckte zu. Ab und zu durfte ich auch mitspielen (z.B. bei „North & South“, bei dem ich jedes Mal verlor).

Im Verlauf der Jahre wurde aus dem C64 ein PC. Erst ein 386er, dann ein 486er und so weiter. Ich durfte immer mehr daran spielen, zunächst unter Anleitung, später auch alleine. Die Angst vor der Technik wurde geringer, die Gefahr etwas kaputt zu machen stieg aber auch an und so endete der komplette Festplatteninhalt des Computers meines Bruders einmal im Mülleimer.

Es folgten weitere Experimente. Computer wurden auseinander und zusammengebaut. Auch dabei gab es Verluste zu vermelden. Ein alter 386er ging in Rauch auf, nachdem ich den, gemeinsam mit einem Freund, aus zwei anderen Computeren „neu“ zusammengesetzt habe. Nicht immer klappte alles, aber es machte Spaß! Eine schöne Erfahrung war auch der selbst – in Basic – programmierte „Fußballmanager“. An dem Stück Software war zwar wenig Management und viel Zufallszahlenauswürfeln, aber ich hatte damit viel Zeit am Computer verbracht und ein bisschen was über das Programmieren gelernt.

Durch beobachten, nachahmen und experimentieren verlor ich jegliche Angst vor der Technik. Aber vieles davon startete auch erst in den Teenagerjahren. Und heute? Unsere Kinder wachsen mit der modernen Technik auf. Ein Programm lässt sich durch einen Fingertipp starten und bedarf keiner Eingabe von „LOAD“. Die Gefahr, dass ein Kind die Software eines iPads durch eine falsche Eingabe kaputt macht tendiert gegen 0.

Aber WIE und vor allem WANN sollte oder kann man den Kindern den Zugang zur Technik ebenen? Der Anblick von dem oben geschriebenen Kind, dass wie wild auf dem iPad rumtippte irritierte mich stark. Andererseits will ich aber, dass meine Kinder keine Angst vor der Technik bekommen oder Angst davor, dass sie etwas kaputt machen können. Am liebsten würde ich ja meinen Kindern auch die Freude am Programmieren näher bringen und da gibt es ja, gerade für Kinder, auch einige Apps mit denen man einen ersten Kontakt dazu wagen kann. Aber noch fehlt mir der richtige Ansatz. Und unser Großkind ist ja auch erst 3,5 Jahre alt. Es bleibt also noch ein wenig Zeit.

Bis dahin will ich aber von euch wissen: Wie handhabt ihr es mit der Mediennutzung?

Gespräche, die nicht mehr brennen.

Meine Frau und ich sind seit einiger Zeit irritiert. Irritiert davon, dass es mittlerweile so schwer ist Gespräche mit anderen zu führen. Gespräche, die Spaß machen, hängen bleiben, umtreiben, kurzum: Emotionen freisetzen bei einem selbst und beim Gegenüber. Es fühlt sich so an, als würden solche Gespräche seltener werden. Oft geht es mittlerweile nur noch um alltägliches oder gar belangloses.

Wir sind davon frustriert und fragen uns, was genau das ist. Ist es eine Phase im Erwachsenenleben, dass jeder nur auf sich bedacht ist und vom Alltag so eingenommen ist, dass anderes hinten runterfällt?

Eine Überlegung kam mir dazu aber auch noch. Vielleicht steckt hinter all dem etwas ganz anderes, nämlich „einfach“ die Diversität der Interessen. Was mich und uns umtreibt und bei uns Emotionen freisetzt das lockt bei den anderen nur ein müdes Lächeln hervor. Voller Elan und Begeisterung können wir z.B. über freie Schulen (so komplett freie Schulen, wie z.B. diese hier: Freie Schule Charlottenburg) reden, die Vorteile die wir darin sehen und warum für uns etwas anderes nicht in Frage kommt. Aber egal mit wie viel Begeisterung man davon berichtet, die Gegenüber lassen sich nicht anstecken und so endet dieser Gesprächssamen wieder im Nirvana. Und so geht es uns häufig. Sei es man spricht über eine genderfreie Erziehung, Umweltfragen, Politik, Wohnungsmarkt, Ernährung, Feminismus und so weiter. Es gibt zahllose Themen die uns umtreiben, Sorgen und Zukunftsängste die wir haben, die wir so gerne teilen würden, über die wir diskutieren wollen. Aber allein es fehlen die passenden Gesprächspartner_innen. Vermutlich liegt es daran, dass den Gesprächspartner_innen gänzlich andere Themen wichtig sind. Andere Themen für die sie brennen und über die sie diskutieren wollen. Allein: wie findet man zueinander? Was kann man tun um das Feuer auf beiden Seiten zu entfachen? Muss man noch mehr für die eigenen Themen werben? Leseempfehlungen geben?

Oder liegt der Grund ganz woanders? Vielleicht ist die Aufmerksamkeitsspanne gesunken, ist man nicht mehr wirklich bei Gesprächen beteiligt. Wie oft schweift man ab und ist mit den Gedanken woanders oder mit den Augen auf dem Smartphone?

Welche Erfahrungen sammelt ihr? Passiert euch das auch, dass manche/viele/alle Gespräche nur vor sich hinplätschern?

80 Tage Glück

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Das Predigerseminar nähert sich dem Ende. Am morgigen Mittwoch wird die letzte Klausur geschrieben. Die Zeit der wundervollen Gemeinschaft geht vorbei. Die letzten Tage bröckelte sie bereits, bedingt durch den großen Lerndruck, den sich viele auferlegt haben oder auferlegt bekommen haben durch die anderen.

Ich hatte das große Glück die Gemeinschaft über 80 Tage (verteilt über 1 Jahr) zu begleiten. Jeden Tag dabei sein zu dürfen – wenn auch nicht in den Seminaren (eine Arbeitsgruppe ausgenommen, bei der ich teilnahm, da meine Frau sie leitete) – so doch in den Morgen-, Mittag- und Abendstunden. Es war eine für mich sehr bereichernde Zeit. Viele wundervolle Menschen durfte ich kennenlernen. Ich durfte theologischen Diskussionen lauschen, gemeinsame Biere genießen und Selbstgebackenes probieren. Wenn ich es nicht schon vor dem Predigerseminar gewusst hätte, so wäre spätestens während dieser Zeit klar geworden:

Religiöse Menschen sind grundsätzlich komplett normale Menschen inklusive all der vielfältigen Fehler, Vorurteile, Talente, Ideale und Träume, die man auch sonst unter Menschen so antrifft.

Ich werde die Zeit, die Gemeinschaft vermissen. Die letzten Tage kam viel Wehmut auf. Ein letztes Mal das Zimmer aufzuräumen und zu verlassen ist noch gar nicht vorstellbar. Und doch ist es in knapp 36h soweit.

Danke allen, die das vergangene Jahr so bereichert haben.