Doping im Fußball

Manchmal fragt man sich wirklich, woher das eigene Kind eigentlich die eine oder andere Aussage/Verhaltensweise hat oder woher es die Phantasie nimmt. Hier zum Beispiel:

Am Samstag waren wir im Park Fußballspielen. Unsere „Aufgabe“ bestand darin, dass meine Frau mir den Ball zuspielen sollte und ich ihr zurück. Irgendwann entschied sich Großkind aber dazu, dass es doch ein wenig anders ablaufen sollte:

„Mama hat den Ball und spielt ihn nicht ab. Und dann komm ich zu dir, geb‘ dir Medizin und dadurch bekommst du den Ball dann doch von Mama.“

Doping?!?!

Advertisements

Der Schnuller ist weg

Vor fast einem Jahr bloggte ich kurz darüber, dass Großkind absolut schnullersüchtig ist und wir nicht so recht wissen, wie wir damit umgehen sollen.

Ich wollte euch mal auf den aktuellen Stand bringen. Ende Januar wachte Großkind eines morgens auf und verkündete großspurig: „Ich bin jetzt groß. Ich brauche keinen Schnuller mehr. Die Schnullerfee soll kommen.“

Dass es so etwas wie eine Schnullerfee geben soll, hat sie aus dem Kinderladen erfahren. Ihre beste Freundin hatte ihr wohl davon erzählt und klar gemacht, dass man von der Schnullerfee ein Geschenk erhält, wenn man den Schnuller abgibt (diese besagte Freundin wünschte sich von der Schnullerfee ein ECHTES Pferd, weshalb die Schnullerfee noch auf sich warten lässt). Einige Wochen bevor Großkind morgens aufwachte und fest davon überzeugt war, hatte sie schon einmal kurz mit dem Gedanken gespielt, dass sie alle Schnuller abgeben will, aber es dann doch ganz schnell wieder verworfen.

Aber dieses Mal war es anders: „ICH BIN JETZT GROSS.“ Sie bestand partout darauf, dass die Schnuller weg sollen. Und die Schnullerfee soll ihr einen Roller schenken.

Wir haben Großkind daraufhin mehrmals gesagt, dass es wirklich kein zurück gibt und wir ja erst einmal 2-3 Tage probieren können, wie es so ohne Schnuller ist, aber mit der Option, dass sie die Schnuller wieder haben kann. Sie war damit einverstanden und die Schnuller landeten im Schrank und sie wusste auch, wo sie waren. Diese wenigen Tage lief es echt gut. Der Schnuller war kaum noch in Benutzung, außer im Moment größter Trauer, bei Schmerzen durch Stürze oder beim Einschlafen am 1. Tag. Da es so gut lief wurde schnell ein Roller bestellt, der ankommen sollte, als der Schnuller-frei-Testzeitraum endete. Am 3. Tag wachte sie morgens wieder auf und ich war bereits auf Arbeit. Wir telefonierten via FaceTime (sprich Videotelefonie, die ich als einen wahren Segen für das Telefonieren mit den eigenen Kindern empfinde) und sie war absolut überzeugt, dass die Schnullerfee kommen soll, während sie im Kinderladen ist. Und so war es dann auch. Der Roller kam am Vormittag an, die Schnuller verschwanden und Großkind war mächtig stolz und glücklich, als sie nach Hause kam und der Roller da war. Die Schnullerfee hatte ihr sogar einen kleinen Brief geschrieben und ihr zum Großwerden gratuliert.

Happy End. Oder?

Nicht ganz.

Die ersten Tage waren noch ok. Der Schnuller war kaum Thema oder wenn dann nur in dem Kontext, dass sie anderen davon berichtete, dass die Schnullerfee da war, sie jetzt groß ist und keinen Schnuller mehr braucht und einen Roller bekommen hat. Aber wie es so ist: das Neue verliert seinen Reiz und die Sehnsucht nach dem Schnuller wuchs. Einige Tränen flossen, die Verzweifelung war an manchen Tagen und in manchen Momenten groß. Aber es wurde weniger. Bis wir gemeinsam zu DM gingen. Großkind weiß natürlich, dass man dort Schnuller kaufen kann und ging schnurstracks zum Schnullerregal. Viele Tränen flossen, viel Trost wurde gespendet, viel Wut baute sich trotzdem in ihrem kleinen Bauch auf. Irgendwann waren wir wieder draußen. Zum Glück ohne Schnuller. Am Abend sagte Großkind dann, dass sie nicht mehr zu DM gehen will, weil sie keine Schnuller kaufen will. Und in dem Moment weiß man nicht, ob man vor Rührung weinen soll oder nicht.

Das ist jetzt aber wieder einige Zeit her und mittlerweile hat sich das Schnullerthema fast erledigt. 100%ig perfekt lief die Entschnullerung nicht ab, aber zurück zum Schnuller wollten wir nicht mehr und Großkinds Entscheidung den Schnuller abzugeben wollten wir beibehalten*. Eine Ab-und-zu-Lösung würde bei uns nicht funktionieren. Da werden wir dann doch zu schwach, wenn Großkind mit den großen Kulleraugen vor uns steht.

Eines ist klar: bei Baby werden wir mit dem Schnuller gar nicht erst anfangen, auch wenn Großkind ihr gerne einen verabreichen würde. ;-)

* Überhaupt bin ich sehr beeindruckt, wie gut es klappt, wenn sie eine Entscheidung für sich getroffen hat. Beim Thema Windelfrei war es ebenso, dass sie morgens aufwachte und verkündete, dass sie keine Windeln mehr tragen will und jetzt immer auf’s Töpfchen gehen wird. Wir waren erst skeptisch, aber es klappte von heute auf morgen, abgesehen von 2-3 kleinen Unfällen in den Momenten in denen sie total im Spiel war. Auch nachts brauchte sie keine Windeln mehr und auf Autofahrten sagte sie auch rechtzeitig an, wenn sie auf Toilette musste.

Kindliche Mediennutzung – aber wie?

Alles fing mit diesem Satz vom Großkind an: „Mama, ich will auch so ein großes Handy haben, wie der Junge im Haus gegenüber und es dann hinlegen.“
Wir: „HÄ? Was willst du haben?“
Großkind: „Ein großes Handy zum hinlegen.“
Wir: …??…… AH!

Großkind wollte ein iPad. Ein paar Tage zuvor waren wir bei einer Bekannten und ihrem Sohn zu Gast. Der Sohn ist in etwa genauso alt wie unser Großkind, also ca. 3,5 Jahre. Und er holte einfach irgendwann das iPad raus, tippte wie wild, aber zielgerichtet (startete mehrere, ihm scheinbar bekannte, Apps) darauf herum und Großkind stand daneben und schaute zu.

Und nun wollte sie auch unser iPad nutzen. 1000 Gedanken gleichzeitig sprangen in meinem Kopf hin und her. Ich startete eine App zum Malen, aktivierte den geführten Zugriff und gab ihr das iPad. Nach 10 Minuten war sie fertig und gab es mir zurück.

Und seitdem ist da dieses Thema in meinem Kopf: Wie um alles in der Welt wollen wir es mit der Mediennutzung handhaben?

Meine Frau und ich haben darüber schon mehrmals geredet. Beim Thema Fernsehkonsum sind wir uns komplett einig: gibt es nicht bevor Großkind um einiges älter ist.
a) Haben wir keinen Fernseher zuhause (nachdem der letzte mit einem Standbild von Joey auf seinem Fernsehsessel sitzend kaputt ging)
b) bereiten ihr bewegte Bilder schnell Angst
c) wir lesen lieber Bücher mit ihr oder hören Hörspiele (die ihr manchmal Angst machen).

Das Thema iPad bzw. Computernutzung im Allgemeinen ist für mich aber ein ganz anderer Schuh. Und hier greifen natürlich meine eigenen Kindheitserfahrungen mit in meine Überlegungen ein. Der 1. Kontakt mit einem Computer war mit dem C64 meines großen Bruders Anfang der 90er Jahre. Ich war noch sehr jung (unter 10 Jahren) und hatte natürlich noch nicht viel selbst daran herumgetippt, aber es gab einen Computer und wann immer mein Bruder da dran war, saß ich daneben und guckte zu. Ab und zu durfte ich auch mitspielen (z.B. bei „North & South“, bei dem ich jedes Mal verlor).

Im Verlauf der Jahre wurde aus dem C64 ein PC. Erst ein 386er, dann ein 486er und so weiter. Ich durfte immer mehr daran spielen, zunächst unter Anleitung, später auch alleine. Die Angst vor der Technik wurde geringer, die Gefahr etwas kaputt zu machen stieg aber auch an und so endete der komplette Festplatteninhalt des Computers meines Bruders einmal im Mülleimer.

Es folgten weitere Experimente. Computer wurden auseinander und zusammengebaut. Auch dabei gab es Verluste zu vermelden. Ein alter 386er ging in Rauch auf, nachdem ich den, gemeinsam mit einem Freund, aus zwei anderen Computeren „neu“ zusammengesetzt habe. Nicht immer klappte alles, aber es machte Spaß! Eine schöne Erfahrung war auch der selbst – in Basic – programmierte „Fußballmanager“. An dem Stück Software war zwar wenig Management und viel Zufallszahlenauswürfeln, aber ich hatte damit viel Zeit am Computer verbracht und ein bisschen was über das Programmieren gelernt.

Durch beobachten, nachahmen und experimentieren verlor ich jegliche Angst vor der Technik. Aber vieles davon startete auch erst in den Teenagerjahren. Und heute? Unsere Kinder wachsen mit der modernen Technik auf. Ein Programm lässt sich durch einen Fingertipp starten und bedarf keiner Eingabe von „LOAD“. Die Gefahr, dass ein Kind die Software eines iPads durch eine falsche Eingabe kaputt macht tendiert gegen 0.

Aber WIE und vor allem WANN sollte oder kann man den Kindern den Zugang zur Technik ebenen? Der Anblick von dem oben geschriebenen Kind, dass wie wild auf dem iPad rumtippte irritierte mich stark. Andererseits will ich aber, dass meine Kinder keine Angst vor der Technik bekommen oder Angst davor, dass sie etwas kaputt machen können. Am liebsten würde ich ja meinen Kindern auch die Freude am Programmieren näher bringen und da gibt es ja, gerade für Kinder, auch einige Apps mit denen man einen ersten Kontakt dazu wagen kann. Aber noch fehlt mir der richtige Ansatz. Und unser Großkind ist ja auch erst 3,5 Jahre alt. Es bleibt also noch ein wenig Zeit.

Bis dahin will ich aber von euch wissen: Wie handhabt ihr es mit der Mediennutzung?

Das Gedankenkarussel um die Kinderbetreuung

Töchterchen geht seit über einem Jahr in einen Kinderladen. Anfangs waren wir ganz zufrieden mit der Betreuung. Zwischenzeitlich ging sie relativ gerne hin und erzählte auch immer wieder gerne von den Kindern und fragte außerhalb der Kinderladenzeit nach ihnen und den Erziehern. Das hat mehr und mehr nachgelassen. Gleichzeitig wurden die Tränen immer zahlreicher wenn es darum ging in den Kinderladen zu gehen. Außerhalb der Kinderladenzeit sind weder die Kinder noch die Erzieher Thema für sie. Während wir in Wittenberg waren (jeweils mehrere Wochen in den letzten Monaten) kam das Thema Kinderladen nie bei ihr auf.

Im Gegensatz dazu fällt auf, dass bestimmte Kinder (einige davon, die sie nur in Wittenberg traf), und auch 1-2 weitere Kinder aus ihrem Alltag hier in Berlin, immer wieder Thema für sie sind. Aber nicht nur Kinder, sondern auch einige weitere Erwachsene (neben uns Eltern und den Großeltern) sind für sie sehr bedeutend (auch aus Wittenberg). Auch für’s Töchterchen fiel daher der Abschied aus Wittenberg schwer.

Es gibt da also eine klare Diskrepanz zwischen der Kinderladenwelt und dem anderen Leben.  Für ersteres kann man sie kaum begeistern. Aber nicht nur das Namedropping ist unterschiedlich gewichtet, sondern auch ihr Verhalten. Während sie zuhause und in Kontakt mit vielen anderen Leuten immer als extrem kontaktfreudig und offen wahrgenommen wird, sie abenteuerlustig ist und sportlich, so ist sie im Kinderladen sehr stark zurückgenommen. Die Male, die ich sie da erlebt habe, verhielt sie sich nicht so, wie ich sie sonst kenne.

Die Beobachtungen der letzten Zeit haben mich zum Nachdenken gebracht und wir haben zuhause schon viele Gespräche geführt. Viele Fragen schwirren mir im Kopf rum: „Tut ihr die Betreuung im Kinderladen gut?“, „Was lernt sie dort, was sie nicht auch außerhalb dieses Kinderladenumfelds lernen kann?“, „Kann man nur durch Kita/Kinderladen lernen, wie es ist sich in einer Gruppe zu bewegen?“.

Die zentralste Frage ist aber: Können wir es irgendwie ermöglichen sie zuhause zu betreuen? Durch meine Frau, mich, Oma und weitere Freunde und Bekannte?  Welche Vorteile hat das für sie, welche Nachteile könnte es mit sich bringen?

Wir haben zuhause sowieso schon sehr oft über das gesamte Thema „Unschooling“ nachgedacht. In Deutschland ist es leider verboten, jedoch suchen wir seit Ewigkeiten nach Wegen  Töchterchen vor einem „normalen“ Schulbesuch zu bewahren und sie auf eine freie Schule zu bringen. Diese Überlegungen haben viel mit den schlechten Schulerfahrungen von meiner Frau und mir zu tun. Das wollen wir unserer Tochter nicht antun. Gleichzeitig ist sie auch ein Kind, dem es unglaublich schwer fällt auch nur zwei Minuten ruhig zu sitzen. Die Gefahr als ADHS-Kind gebrandmarkt zu werden besteht bei ihr. Das im Zusammenhang mit der normalen Schulsituation könnte eine brisante und für sie sehr frustrierende Erfahrung sein.

Diese Überlegungen stehen im starken Zusammenhang mit den aktuellen Überlegungen zum Thema Kinderladen. Wir haben uns noch nicht entschieden, wie wir es weiter handhaben wollen, sind jedoch derzeit auf das große Gedankenkarussel aufgestiegen und schauen, wohin es uns trägt.

tl;dr Töchterchen ist glücklicher außerhalb des Kinderladens. Wir überlegen, wie wir eine andere Betreuung umsetzen können.

Schnuller abgewöhnen

Töchterchen 1.0 hatte keinen Schnuller. Bis sie im Kinderladen anfing Mittagsschlaf zu machen und dort andere Kinder auch einen Schnuller hatten. Da war sie schon zwei Jahre alt.

Mittlerweile ist der Schnuller wie eine Sucht. Es vergeht kein Tag an dem nicht mehrfach danach gefragt wird. Wenn dem nicht sofort nachgegeben wird kommt die Wut: weinen, schreien und um sich schlagen. Irgendwann geben wir nach. Zum Schlafen gibt es den Schnuller immer. Zwar nehmen wir ihn dann raus, wenn sie schläft, aber falls sie nachts wach wird, muss sofort der Schnuller griffbereit sein.

Es ist ätzend. Laut „Zahnkrokodil“, dass letztens im Kinderladen war, leiden ihre Zähne auch schon darunter.

Nun also die Fragen an alle mitlesenden Eltern: Wie habt ihr eure Kinder von diesen Dingern entwöhnt?
Einfach wegnehmen und schreien lassen ist für uns keine Alternative.

Elternzeit-Plus

Angeregt durch den Elterngeld-Post bei dasnuf.de habe ich in letzter Zeit auch viel über meine „Elternzeit“ nachgedacht. Man könnte sie aber eher „Elternzeit-Plus“ (EP) nennen.

Beruflich bin ich seeeeeeeehr flexibel. Das hat viele Vorteile (eben meine EP), aber auch so einige Nachteile (geringeres Einkommen). Offiziell hatte ich zwei Monate Elternzeit genommen, den 13. und 14. Lebensmonat von Töchterchen 1.0. Aber auch in meiner Elternzeit musste ich arbeiten gehen, da ich letztendlich nur den Mindestsatz von 300€ erhalten habe (Stichwort: geringes Einkommen). Zwar waren es dann ein paar Arbeitstage im Monat weniger, aber keine 100%ige Freiheit. Jedoch war ich auch die 12 Monate vorher nie wirklich durchgängig auf Arbeit, sondern konnte auch da schon häufiger für’s Töchterchen da sein.

Aber mit Beginn meiner Elternzeit begann meine Frau mit ihrem Vikariat.

Für uns hieß das: Ein Auftakt  von vielen, vielen Seminarfahrten. Und ich mit Töchterchen 1.0 immer im Schlepptau. Seminare in Brandenburg/Havel, Predigerseminare in der Lutherstadt Wittenberg oder auch die Klinische Seelsorgeausbildung im Kloster Lehnin: wir beide waren immer mit dabei. Während die weltbeste Ehefrau sich ihrer Ausbildung widmen musste, übte ich mich im Papa-Sein. Das ging weit über meine zwei Monate Elternzeit hinaus. Allein innerhalb der letzten 12 Monate waren es über 80 Seminartage in Wittenberg, die Töchterchen und ich gemeinsam genießen durften. Dazu noch zwei Wochen in Lehnin.

Die viele gemeinsame Zeit hat uns beide sehr geprägt: Nachdem der 1. richtige Abschied von Mama beim 1. Seminartag in Brandenburg/Havel noch schmerzhaft (Mama war vorher nämlich immer! da) und ich als Papa ehrlich gesagt dann doch sehr unsicher war, hat das alles einen eigenen Verlauf genommen. Tränen und Geschrei, wenn plötzlich Papa losging kamen immer häufiger vor. Man entwickelte gemeinsame Routinen (die Haare entfilzen gehörte da leider nicht zu..), erlebte Abenteuer (ein Tagesausflug von Wittenberg in den Leipziger Zoo oder eine Radtour inklusive Regendusche) und genoss die vielen schönen Papa-Tochter-Momente.

In Wittenberg waren wir zum Glück auch nie alleine. Stellenweise rannten elf weitere Kinder durch die Gemäuer und Gärten des Predigerseminars. Wir hatten viel Spaß, man tauschte sich aus und unternahm gemeinsame Touren durch Wittenberg. Und: es gab hier einen weiteren Papa, der alleine in Elternzeit war. Es war (noch: ist) eine schöne Zeit.

Warum ich das schreibe? Weil die letzten Tage des Predigerseminars anbrechen. Die letzten 11 Tage. In gewisser Weise ist es auch ein Ende der Elternzeit-Plus. Zurück in Berlin wird es weiterhin Tage geben, an denen Töchterchen 1.0 und ich alleine unterwegs sind. Aber einzelne Tage sind kein Vergleich zu den über 80 Tagen die wir hier hatten. Diese Zeit war das größte Geschenk, dass ich als Papa mir vorstellen kann. Zeit mit dem Kind. Zeit zum gemeinsamen Wachsen. Töchterchen als Kind, ich als Papa.

Ich werde all das hier vermissen. Und dabei habe ich noch kaum ein Wort über die großartigen Leute verloren, die ich hier kennenlernen durfte. Meine erste Zeit als Pfarrfrau hätte dahingehend kaum schönere Nebenwirkungen haben können. Bei Kind 2.0 wird es all das nicht geben und doch hoffe ich, dass auch da die gemeinsame Zeit umfangreich wird.

tl;dr Väter, nutzt eure Elternzeit und nehmt mehr als zwei Monate davon in Anspruch und macht sie gefälligst auch unabhängig von der Mama!

Die Krux des Kinderladens

Kind 1.0 geht seit über einem Jahr in den Kinderladen. Es war unser Wunschkinderladen und wir kamen erst im 3. Anlauf rein. Wir hatten sogar schon einmal eine Zusage, nur um dann unter fadenscheinigen Begründungen doch noch abgelehnt zu werden. Wir waren damals zwar schon sehr verärgert über die Informationspolitik, aber viele andere Faktoren sprachen weiterhin dafür (u.a. auch die Tatsache, dass die Erlebnisse in den anderen Kinderläden, die wir uns angeschaut haben, schon von vornherein negativ waren).

Jetzt sind wir aber seit einiger Zeit da. Es gab seitdem auf und abs in der Beziehung mit den Erzieherinnen. Vielleicht ist es normal, vielleicht auch nicht. So ganz sicher sind wir uns da nicht. Immerhin mit der Bezugserzieherin sind wir glücklich. Bei einer anderen Erzieherin, muss man hingegen sagen, wären wir nicht unglücklich, wenn sie nicht da wäre. Aber da spalten sich schon die Meinungen unter den Eltern. Manche lieben sie, andere (ein paar wenige) finden sie ebenfalls furchtbar. Das soll aber noch gar nicht das eigentliche Problem sein. Das steckt ganz woanders…

Seit Anfang des Jahres bin ich im Vorstand vom Kinderladen. Wenn man mir vorher gesagt hätte, dass das in den schlimmsten Zeiten einer viertel bis halben Stelle gleich kommt, hätte ich mir das dreimal überlegt. Ergänzen muss man hierzu, dass gefühlt seit Januar ständig „schlimmste Zeiten“ sind. Streit zwischen einer Erzieherin und einem Elternpaar mit endlosen Vermittlungsgesprächen und Sitzungen ist das eine, seit einiger Zeit aber auch Konflikte im Team. Auch hier fanden seitdem viele, viele, viele Gespräche statt. Am Telefon (zu jeder Tages- und Nachtzeit), unter 4 (oder auch 6 Augen) oder an den freien Tagen von Erziehern. Die Spirale dreht sich immer schneller, die Gespräche werden immer intensiver, die Informationsfülle immer reichhaltiger. Und irgendwann weiß man nicht mehr, was man überhaupt noch glauben soll, wie man mit all dem umgehen soll und was eigentlich jemals das Ergebnis all dessen werden soll. Vielleicht würde es da leichter sein, wenn man alleine die Entscheidungen treffen könnte, aber das geht natürlich erst recht nicht. Auf Vorstandstreffen folgen Elternabende. Die Handlungsmöglichkeiten werden diffuser, Verantwortungen übernehmen will keiner (kann aber auch keiner mehr). So positiv demokratische Entscheidungen letztendlich sein können, so kräftezehrend ist der Weg dorthin.

Eine Ende all dessen ist noch nicht absehbar. Weder ein Ende der Teamkonflikte, noch ein Ende einer Entscheidungsfindung. Der Gedanke aus dem Kinderladen zu gehen und sein Kind von anderen Erzieher/innen betreuen zu lassen kam auch schon auf. Und wenn es dazu kommen sollte dann weiß ich, dass ich ein Vorstandsamt im Kinderladen ganz sicher nicht mehr übernehmen werde. Mit meiner Freizeit kann ich schöneres anfangen.