Wie aus Impfgegner*innen Kämpfer*innen für den Datenschutz werden

„Du kannst ja mit deinem Kind einfach zuhause bleiben. Du musst ja nicht raus gehen in die Öffentlichkeit, wenn du dir Sorgen machst, dass es dann krank werden kann.“

Worte einer Mutter aus unserem Kinderladen zum Thema Masern. Unser Kind ist 7 Monate alt und damit noch zu klein zum Impfen. Und diese andere Mutter ist – vielleicht – Impfgegnerin. Ich weiß es nicht, da sie nicht sagen will, ob ihr Kind geimpft ist oder nicht.

Das Thema begann vor 2 Wochen, kurz nachdem für Berlin die Warnung herausgegeben wurde – auf Grund der Masernepidemie – mit Säuglingen die Öffentlichkeit zu meiden, vor allem Orte mit vielen Menschen. Unser Großkind geht in den Kinderladen – ein Ort mit so einigen Menschen – und meine Frau muss sie leider häufiger hin bringen, weil ich derzeit an 12 Tagen im Monat arbeite. Nun kann sie aber Baby nicht einfach zuhause lassen, wenn sie Großkind in den Laden bringen will, sondern muss es natürlich mitnehmen. Wir dachten uns also, dass wir die Eltern der Kinderladenkinder kurz per Mail unsere Sorge mitteilen. Gleichzeitig wollten wir wissen, wie denn der Impfstatus der anderen Kinder so aussieht und ob wir, aber auch zwei weitere Familien mit Säuglingen, bedenkenlos mit den Babys in den Kinderladen kommen können. Ganz harmlos diese Anfrage, so dachten wir.

WIR HATTEN JA KEINE AHNUNG!

1-2 Eltern antworteten relativ schnell und gaben Entwarnung: die Kinder sind durchgeimpft. Ein Vater schrieb auch, dass man ja nicht nur nach dem Status der Kinder, sondern auch der Eltern fragen sollte, da diese natürlich auch Überträger sein können. Recht hatte er.

Dann aber kam die erste interessante Mailantwort:

„Der Impfstatus unterliegt dem schützenswerten Persönlichkeitsrecht.“

Genau.

Meine Frau antwortete sehr freundlich und verständnisvoll auf diese Mail und betonte, dass es ihr um keine Diskussion um das Für und Wider von Impfungen ginge. Aber es kam keine Antwort.

Heute nun traf ich auf die Verfasserin der Mail und nachdem wir über alle anderen wichtigen Dinge gesprochen haben (es war das Vorstandstreffen vom Kinderladen), kamen wir auch noch auf das Thema Impfen, da es beim nächsten Elternabend besprochen werden soll. Und sehr schnell gerieten wir aneinander. Was ich am spannendsten an der Diskussion fand war die Tatsache, dass wir tatsächlich nicht über Impfen an sich gesprochen haben, sondern sie sehr schnell auf das Thema Datenschutz und Schutz der Persönlichkeitsrechte kam. Sie hat sich und auch andere Impfgegner*innen als Verteidiger*innen dieser Persönlichkeitsrechte hingestellt.

„Heutzutage werden wir von allen Seiten überwacht und Listen über uns angefertigt. Da ist es einfach wichtig, nicht alles von sich preis zu geben.“

Nicht vergessen: es geht hier einzig und allein um eine kurze Info darüber, ob man bedenkenlos mit einem Baby in einen Kinderladen gehen kann! Daraus bastelte sie (und übrigens auch eine andere Mutter aus dem Kinderladen) einen Angriff auf den Datenschutz und die Persönlichkeitsrechte. Sie war plötzlich ein Opfer und wir die Täter, die ihr ungeheuerliche Dinge abverlangt haben.

Und als ihr nichts mehr einfiel kam dann die Aussage vom Eingang: „Bleibt doch zuhause, wenn ihr euch Sorgen macht.“

Ja, sicher. Wir haben ja kaum eine andere Wahl. Wegen Leuten wie den Eltern dieses Kindes, die nicht nur daran beteiligt sind, dass sich diese Masern weiter ausbreiten können, sondern sich dann auch noch aufschwingen als Retter*innen. Sie entfachen ein kleines, buntes Ablenkungsmanöver und fühlen sich auch noch gut dabei. Und ich könnte nur noch kotzen.

12 von 12 im März 2015

Ich mache zum ersten Mal bei 12von12 mit. 12 Fotos werden am 12. des Monats geschossen und somit ein ganzer Tag dokumentiert.

Hier ist nun mein Beitrag.

Um 10 nach 7 stand ich auf. Der Rest der Familie schlief noch. Frau und Baby waren gegen 7.40 Uhr wach, das Großkind um 8.
Um 10 nach 7 stand ich auf. Der Rest der Familie schlief noch. Frau und Baby waren gegen 7.40 Uhr wach, das Großkind um 8.

 

Frühstücksvorbereitungen. Es gibt u.a. Müsli, aber auch Stulle. ;-)

 

Und für Baby gibt’s Banane. Heute wurde eine ganze davon verspeist. Ich frage mich jedes Mal, wie das alles in so einen kleinen Körper passt.

 

 

Großkind aß erst Brot und trank O-Saft.

 

Anschließend wurde weiter am Auto gebastelt. Gestern Abend fing Großkind mit der Mama an es zu bemalen und heute morgen baute ich mit Großkind einen Sitz ein (vorne zu sehen).
Um auf Arbeit nicht alleine zu sein gab mir Großkind ein Kuscheltier mit auf den Weg. :-)
In der S-Bahn las ich dann weiter am Buch für unseren Buchclub: „Americanah“ von Chimamanda Ngozi Adichie. Ich bin jetzt bei der Hälfte und kann es bislang absolut empfehlen!

 

 

Fast bin ich angekommen. Nur noch wenige Schritte.

 

 

Da.

 

 

Endlich Feierabend und damit Wochenende.

 

 

Nach dem Essen.

 

 

Zum Abschluss haben wir noch Pizza gebacken.

Rettet endlich die Hebammen, verdammt!

Durch einen Tipp von Hannah*Rosenblatt bei Twitter habe ich mir die Dokumentation Anjas letzte Geburt in der ARD-Mediathek angeschaut und bin noch immer stinkwütend. Aber nicht über die Filmemacher*innen, sondern die Politik.

Die Dokumentation begleitet die Hebamme Anja über 1 Jahr hinweg bei ihrer Arbeit und immer mit dem Blick auf das Ende ihrer Arbeitszeit zum 31.12.2014, weil sie nicht mehr weiß, wie sie die steigenden Beiträge für die Haftpflichtversicherung bezahlen soll.

Gut zu sehen ist die Bedeutung des Berufes Hebamme. Viele werdenden Eltern sind glücklich eine Hebamme an ihrer Seite zu haben, die sie mit allerlei Fragen löchern können. Auch wir waren froh bei der Schwangerschaft unserer beiden Kinder so wundervoll betreut worden zu sein. Auch wenn sich unsere Frauenärztin viel Zeit nimmt, so ist es mit einer Hebammenbetreuung noch immer bei weitem nicht zu vergleichen.

Das staatlicherseits nicht schon lange etwas geschehen ist um die freiberuflichen Hebammen beim Thema Haftpflichtversicherung zu unterstützen ist einfach ungeheuerlich. Nicht nur drängt man damit freiberufliche Hebammen die Hausgeburten betreuen aus dem Job, sondern auch einige, die schon bislang nur noch für die Vor- und Nachsorge da waren, geben auf.

Es ist einfach zum Haare ausraufen! Dieser Beruf ist so wichtig und konsequent werden den Hebammen Stöcker zwischen die Beine geworfen. Am letzten Freitag wurde auch bekannt, dass die Krankenkassen den Schwangeren die Möglichkeit ihre Kinder zuhause unter Betreuung einer Hebamme zur Welt zu bringen erschweren wollen. Sie wollen die Kosten für die Betreuung einfach nicht mehr bezahlen, sobald einige Ausschlusskriterien, die vom Hebammenverband als wissenschaftlich nicht belegt bezeichnet werden, erfüllt sind. Ein Ausschlusskriterium ist schon das Überschreiten des errechneten Geburtstermins! Damit würde jeder zweiten Schwangeren sofort die Möglichkeit entzogen werden zuhause zu entbinden.

Mich macht das alles so fassungslos und ich gebe langsam die Hoffnung auf, dass sich beim Thema Haftpflicht für Hebammen noch etwas ändert.

Wir alle sollten die Hebammen trotzdem unterstützen! Und jede Stimme ist wichtig! Mehr Informationen dazu unter „Unsere Hebammen“.

 

Brandenburg anyone?

Wir haben noch zehn Monate. Zehn Monate in unseren eigenen vier Wänden. Danach ändert sich vieles. Oder alles?

Die folgenden Zeilen werden vermutlich ein leiden auf hohem Niveau im Vergleich zu dem Text, den ich kurz vor dem eigenen Schreiben gelesen habe. Aber das Thema umtreibt mich, umtreibt uns, seit einigen Monaten. 

Eine Veränderung steht an. Zum Januar nächsten Jahres werden wir als Familie unsere Wohnung verlassen. Und nicht nur unsere Wohnung, sondern unseren Kiez. Unsere dörfliche Gemeinschaft inmitten der Großstadt. Die Nähe zu vielen Freund*innen und der nahen Verwandtschaft. Meine Frau wird zum ersten mal in ihrem Leben in einer anderen Wohnung leben. Nach über 30 Jahren. Unser Großkind wird ihre Kinderladenfreund*innen aufgeben müssen. 

Kurz gesagt: wir fühlen uns nicht wohl mit diesem Gedanken. 

Uns bleibt aber auch keine andere Wahl. Nach dem Vikariat in dem meine Frau gerade ist kommt der Entsendungsdienst. Unsere Landeskirche legt fest, wohin man kommt. Man wird entsandt. Die ganze Weite Brandenburgs steht uns offen. Für manche klingt das verlockend, für uns eher abschreckend. Ja, man kann auch eine Stelle in Berlin erwischen, aber man hat kaum ein Mitspracherecht. Zumindest nicht bei den Berliner Stellen. Wer sich da um eine Gemeinde bemüht, landet garantiert nicht dort. Sich die Butter vom Brot nehmen lassen, darauf steht die Landeskirche nicht so sehr. 

Für Brandenburg sieht das ein wenig anders aus. Die vakanten Stellen sind nicht so beliebt. Man kann sich also im voraus mit der*dem örtlichen Superindentend*in treffen und bei Gefallen aneinander würden diese dann genau die eine Person für die vakante Stelle anfordern. Es gibt auch hier keine 100%ige Garantie, dass es wirklich klappt, aber je tiefer im Nirgendwo Brandenburgs man sich aufhält, desto wahrscheinlicher ist es, dass es klappt.

Und obwohl wir uns mit dem Gedanken an Brandenburg nicht wohl finden, werden wir uns trotzdem demnächst so eine Stelle anschauen. Möglicherweise ist es auch eine Stelle, die nicht ganz so unattraktiv ist. Immerhin ist auch die Verbindung in unsere Heimat gut. So kann man schnell zurück fahren, falls die Sehnsucht ganz groß ist, oder auch schnell Besuch empfangen.

Was sich auch ändern würde, für den Fall, dass wir nach Brandenburg gehen: ich würde nicht mehr arbeiten gehen (außer von zuhause aus vielleicht ein wenig weiter freiberuflich meine Layoutdienste anbieten), sondern würde beide Kinder zuhause betreuen. Die Vorstellung in einem großen Pfarrhaus mit Garten jede Menge Platz zum Toben, Experimentieren, Malen, Basteln, Kochen und Hämmern zu haben, ist durchaus sehr reizvoll. Noch schöner wäre es, wenn meine Frau auch nicht arbeiten müsste und wir könnten zu viert zuhause sein. Das wäre ideal.

Und: nach 2 Jahren ist der Entsendungsdienst vorbei und wir könnten wieder zurück in die große Stadt. Nicht wir könnten, sondern wir würden dann zurück gehen. Denn da unschooling in Deutschland nicht geht, würden wir Großkind immerhin in die freieste Schule bringen wollen, die wir hier so vorfinden. Ähnliches gibt es in Brandenburg nicht.

 

Der Teufel, das sind die Anderen

Die folgende Predigt fnde ich besonders eindringlich und sprach mich sehr an. Darum will ich sie mit euch teilen. Beim Lesen der Predigt in der der Gedanke, dass das „Böse“ immer als etwas äußeres, externes angesehen wird, musste ich unweigerlich an so mancherleich Bewegungen der letzten Zeit denken Pegida, Antifeministen, Gamergate. Der Teufel, das sind die Anderen.

Geschrieben hat die Predigt Susanne Brusch. Sie ist Pfarrerin im Entsendungsdienst in einem kleinen, heimeligen Ort in Brandenburg.

Satan. Beelzebub. Luzifer. Teufel. Er hat viele Namen. In der Kunstgeschichte erscheint er mal als Mensch, mal als Tier, mal als ein Monster. Aber er hat immer bestimmte Merkmale, an dem man ihn erkennen kann: Bocksfüße, behaarte Beine, einen Schwanz und Hörner. Menschen haben sich in der Geschichte viele Bilder vom Teufel gemacht.

Als Jesus nach seiner Taufe vom Teufel versucht wird, beschreibt der Evangelist Matthäus nicht wie der Teufel aussieht. Er schreibt: Jesus wird vom Geist in die Wüste geführt. Dort sollte er vom Teufel auf die Probe gestellt werden. Kein Wort über die Äußerlichkeiten, das scheint gar nicht wichtig zu sein. Dafür schreibt Matthäus ausführlich über den Inhalt der Versuchung.

Die vielen Namen des Teufels bedeuten übersetzt: der Widersacher, der Entgegen-Steller, der Morgenstern, der Versucher. Der Versucher. Mit diesem Namen, dieser Bedeutung kann ich am Meisten anfangen. Denn ich habe Erfahrungen mit der Versuchung – weil ich ein Mensch bin, und weil ich an Gott glaube.

Jesus ist der Versuchung auf zweifache Art ausgeliefert: Einmal als Mensch und einmal als Gottes Sohn. Während er in der Wüste, oben auf der Tempelzinne und hoch oben auf dem hohen Berg steht kämpfen in ihm seine Naturen: das Menschliche und das Göttliche.

Seinen menschlichen Hunger könnte er als Gottes Sohn selbst stillen. Seinen menschlichen Willen nach Selbstbestimmung und Macht über Gott könnte er stillen, indem er vom Tempel springt und sich retten lässt. Als Gottes Sohn könnte er die ganze Welt, alle Völker dieser Erde beherrschen. Als Sohn des Allmächtigen Gottes könnte Jesus all das tun.

Ich finde es bemerkenswert, dass all diese Möglichkeiten Jesus nicht erst durch den Teufel gegeben werden. Diese Möglichkeiten bringt Jesus selbst mit. Sie sind ein Teil von ihm und nun, geschwächt durch die lange Fastenzeit, durch einen extremen Hunger nach 40 Tagen und Nächten ohne Nahrung, da geraten die zwei Naturen in ihm aneinander.

Jesus wird im Matthäusevangelium an mehreren Stellen versucht und immer steht dabei nicht der Teufel selbst, sondern Jesu Ringen mit sich selbst und seinem Weg im Vordergrund. Jesus weiß, dass sein Weg ihn nach Jerusalem ans Kreuz bringen wird. An einer Stelle kündigt er seinen Tod vor den Jüngern an und Petrus versucht, Jesus von seinem Vorhaben abzubringen. Darauf sagt Jesus zu ihm: „Geh weg von mir, Satan!“ Petrus, in dessen Gestalt Jesus den Satan zu erkennen meint, hat einen wunden Punkt bei Jesus getroffen: Als Gottes Sohn muss er den Weg ans Kreuz gehen. Als Mensch würde Jesus sich eigentlich gerne von diesem leidvollen Weg abbringen lassen.

Die letzte Versuchung spielt sich im Garten Gethsemane ab. Zweimal bittet er Gott darum, doch nicht sterben zu müssen, diesen Becher nicht austrinken zu müssen. Aus ihm spricht die ganz menschliche Angst vor Leiden und vor Tod.

In diesen beiden Versuchungsgeschichten tauchen vor Jesus wieder Möglichkeiten auf, wie es anders, wie es leichter sein könnte. Wenn Jesus versucht wird, sei es durch den Teufel oder durch Petrus, dann hadert er eigentlich mit sich selbst.

Vielleicht spielt deshalb in diesen Geschichten die äußere Gestalt des Teufels keine Rolle. Weil die Versuchung, die Jesus erlebt nicht wirklich von außen kommt, sondern von innen. Ich glaube, der Teufel und seine Gestalt(en) haben in der Geschichte eine so große Karriere gemacht, weil es den Menschen leichter fällt das Böse als etwas von außen zu betrachten. Der Versucher in seiner unheimlichen Gestalt hat seinen Grund so nicht im Menschen, sondern in einer widergöttlichen Macht. Das ultimative Böse im Bild eines behörnten, bocksfüßigen Monsters.

Im ersten Testament steht der Versucher jedoch im Dienst Gottes und tritt als Ankläger der Menschen auf. Im zweiten Testament verklagt er die Gerechten vor Gott, er verursacht Krankheiten und verleitet Menschen zur Sünde. Die Vorstellungen vom Teufel erreichen im Mittelalter ihren unheimlichen, blutigen Höhepunkt: man meint ihn im Islam zu erkennen, in den Juden, in Ketzern und Hexen und er wird bekämpft mit Waffen und Feuer. Luther meinte, den Teufel in den Türken und im Papst zu erkennen. In diesen Vorstellungen war der Teufel auch immer jemand von den anderen, jemand von außen, dem man die Schuld über das Böse in der Welt in die Schuhe schieben konnte.

Mittlerweile glaube ich, dass es eine eigene Form der Versuchung ist, für den Teufel Bilder oder Menschen, in denen er wirkt zu finden. Oft war das Bild des Teufels nur eine Ausrede, um Gewalt anwenden zu können. Gewalt ist aber niemals der Weg Gottes.

Im Predigttext wirkt der Teufel, der Versucher abstrakter: Er wirkt in dem, was Jesus tun könnte: Seine Macht ausnutzen, vor der Verantwortung weg laufen, Gott untreu werden. Mir scheint dieses „Könnte“ ist die eigentliche Gestalt des Versuchers.

Die Geschichte von Jesus in der Wüste, auf dem Tempel und auf dem Berg lehrt, wie ich mit diesem Könnte umgehen kann. Jesus stößt den Versucher nicht sofort von sich, er setzt sich stattdessen in aller Ruhe mit ihm auseinander und hört sich an was er zu sagen hat. Wenn du der Sohn Gottes bist, befiehl doch, dass die Steine hier zu Brot werden. Wenn du der Sohn Gottes bist, spring hinunter! Das alles alles werde ich dir geben, wenn du dich vor mir niederwirfst und mich anbetest. Nur, weil er hingehört hat, kann er auf die Versuchung reagieren. Jesus pariert mit Worten und Gehorsam Gott gegenüber. Nicht um Brot allein geht es, sondern um die Worte aus Gottes Mund. Gott soll man nicht auf die Probe stellen. Gott allein soll man anbeten.

Man muss nicht Jesus sein, um die Erfahrung des anstrengenden, aushungernden Wüstenwanderns gemacht zu haben. Man braucht nicht mal unbedingt eine Wüste. Das hinterlistige Könnte, dem Jesus begegnet ist, kann mich auch so immer mal wieder erwischen.

Das Könnte spricht dann meine Sprache und trifft meine wunden Punkte. Meine innersten Hoffnungen und Wünsche, denen ich sonst kein Gehör schenke. Aber wenn ich es wie Jesus halte und genau hin höre, dann lerne ich dabei etwas über meine eigene Natur, über meine Beschaffenheit.

Ich glaube, Gott hat den Menschen nicht ohne Grund mit einem freien Willen ausgestattet. Wir sind zur Freiheit berufen. Und Freiheit bedeutet: Möglichkeiten haben, andere Wege sehen können, ausprobieren dürfen und sich entscheiden können. So gesehen sind die Versuchungen, die Anfechtungen die ich erlebe nicht zwangsläufig schlecht oder böse. Sie zeigen mir, wie es auch sein könnte und nur dadurch kann ich eine Entscheidung treffen. Ohne vorheriges Hadern und anstrengende Infragestellung kann es zu keiner Vergewisserung kommen. Anfechtungen kommen nicht von einem behaarten Monster mit Hörnern. Tatsächlich sind sie Umarmungen Gottes.

Amen.

Kindliche Mediennutzung – aber wie?

Alles fing mit diesem Satz vom Großkind an: „Mama, ich will auch so ein großes Handy haben, wie der Junge im Haus gegenüber und es dann hinlegen.“
Wir: „HÄ? Was willst du haben?“
Großkind: „Ein großes Handy zum hinlegen.“
Wir: …??…… AH!

Großkind wollte ein iPad. Ein paar Tage zuvor waren wir bei einer Bekannten und ihrem Sohn zu Gast. Der Sohn ist in etwa genauso alt wie unser Großkind, also ca. 3,5 Jahre. Und er holte einfach irgendwann das iPad raus, tippte wie wild, aber zielgerichtet (startete mehrere, ihm scheinbar bekannte, Apps) darauf herum und Großkind stand daneben und schaute zu.

Und nun wollte sie auch unser iPad nutzen. 1000 Gedanken gleichzeitig sprangen in meinem Kopf hin und her. Ich startete eine App zum Malen, aktivierte den geführten Zugriff und gab ihr das iPad. Nach 10 Minuten war sie fertig und gab es mir zurück.

Und seitdem ist da dieses Thema in meinem Kopf: Wie um alles in der Welt wollen wir es mit der Mediennutzung handhaben?

Meine Frau und ich haben darüber schon mehrmals geredet. Beim Thema Fernsehkonsum sind wir uns komplett einig: gibt es nicht bevor Großkind um einiges älter ist.
a) Haben wir keinen Fernseher zuhause (nachdem der letzte mit einem Standbild von Joey auf seinem Fernsehsessel sitzend kaputt ging)
b) bereiten ihr bewegte Bilder schnell Angst
c) wir lesen lieber Bücher mit ihr oder hören Hörspiele (die ihr manchmal Angst machen).

Das Thema iPad bzw. Computernutzung im Allgemeinen ist für mich aber ein ganz anderer Schuh. Und hier greifen natürlich meine eigenen Kindheitserfahrungen mit in meine Überlegungen ein. Der 1. Kontakt mit einem Computer war mit dem C64 meines großen Bruders Anfang der 90er Jahre. Ich war noch sehr jung (unter 10 Jahren) und hatte natürlich noch nicht viel selbst daran herumgetippt, aber es gab einen Computer und wann immer mein Bruder da dran war, saß ich daneben und guckte zu. Ab und zu durfte ich auch mitspielen (z.B. bei „North & South“, bei dem ich jedes Mal verlor).

Im Verlauf der Jahre wurde aus dem C64 ein PC. Erst ein 386er, dann ein 486er und so weiter. Ich durfte immer mehr daran spielen, zunächst unter Anleitung, später auch alleine. Die Angst vor der Technik wurde geringer, die Gefahr etwas kaputt zu machen stieg aber auch an und so endete der komplette Festplatteninhalt des Computers meines Bruders einmal im Mülleimer.

Es folgten weitere Experimente. Computer wurden auseinander und zusammengebaut. Auch dabei gab es Verluste zu vermelden. Ein alter 386er ging in Rauch auf, nachdem ich den, gemeinsam mit einem Freund, aus zwei anderen Computeren „neu“ zusammengesetzt habe. Nicht immer klappte alles, aber es machte Spaß! Eine schöne Erfahrung war auch der selbst – in Basic – programmierte „Fußballmanager“. An dem Stück Software war zwar wenig Management und viel Zufallszahlenauswürfeln, aber ich hatte damit viel Zeit am Computer verbracht und ein bisschen was über das Programmieren gelernt.

Durch beobachten, nachahmen und experimentieren verlor ich jegliche Angst vor der Technik. Aber vieles davon startete auch erst in den Teenagerjahren. Und heute? Unsere Kinder wachsen mit der modernen Technik auf. Ein Programm lässt sich durch einen Fingertipp starten und bedarf keiner Eingabe von „LOAD“. Die Gefahr, dass ein Kind die Software eines iPads durch eine falsche Eingabe kaputt macht tendiert gegen 0.

Aber WIE und vor allem WANN sollte oder kann man den Kindern den Zugang zur Technik ebenen? Der Anblick von dem oben geschriebenen Kind, dass wie wild auf dem iPad rumtippte irritierte mich stark. Andererseits will ich aber, dass meine Kinder keine Angst vor der Technik bekommen oder Angst davor, dass sie etwas kaputt machen können. Am liebsten würde ich ja meinen Kindern auch die Freude am Programmieren näher bringen und da gibt es ja, gerade für Kinder, auch einige Apps mit denen man einen ersten Kontakt dazu wagen kann. Aber noch fehlt mir der richtige Ansatz. Und unser Großkind ist ja auch erst 3,5 Jahre alt. Es bleibt also noch ein wenig Zeit.

Bis dahin will ich aber von euch wissen: Wie handhabt ihr es mit der Mediennutzung?

Fragen, Reden, Gespräche: Der Kampf gegen meine Sprachlosigkeit

Meine Oma beging Suizid als ich 3 Jahre alt war.

Ich erfuhr davon erst jetzt – mit 30 Jahren. Weitere Nachfragen nach den genauen Umständen wurden schnell wieder von meinem Stiefvater abgeblockt bevor meine Mutter sich groß in Rage reden konnte und eher über ihre Geschwister schimpfte. Nachdrücklich im Gedächtnis blieb mir beim Gespräch aber , auf meine Aussage hin, dass ich das ja noch gar nicht alles wusste und immer dachte, sie wäre eher am Alkohol zugrunde gegangen (was jetzt auch nicht unbedingt die tollste Geschichte wäre), nur ein Satz meiner Mutter:

„Darüber sprechen wir halt nicht.“

Meine Antwort: „Darum frage ich ja.“

Fragen, Reden, Gespräche: die Familie in der ich groß geworden bin, kann das nicht so gut. Über Themen reden, die bedeutend sind. Solche Themen wurden schon immer gerne ausgeblendet. Darüber sprachen wir nicht. Meine Frau ist immer wieder verwundert, wie wenig Gespräche und Diskussionen in meiner Familie existieren. Ich empfinde es auch so, dass wir als Familie erschreckend wenig miteinander reden. Schon immer. Dem geringen Mitteilungsbedürfnis entgegen steht z.B. der große Wunsch meiner Mutter mehr am Leben meines älteren Bruders teilzuhaben: „Er erzählt ja nichts.“ Fragen stellen tut sie aber auch nicht.

Falls man aber meinem Bruder wirklich einmal Fragen stellt, erhält man Antworten mit denen man nicht viel anzufangen weiß. Überwuchert von lauter Sarkasmus verbirgt sich irgendwo der Hauch einer Wahrheit, einer Information über ihn und seine Gefühle. Nachfragen führt nur zu einer weiteren Welle an Sarkasmus, die die vorherige noch überlagert, so dass man am Ende vom Gespräch nicht einmal sagen kann, ob auch nur irgendeine Aussage stimmt. An meines Bruders Kern zu gelangen erscheint unmöglich. Auch meine Frau, qua Profession qualifiziert Gespräche zu führen, verzweifelt hier auch gerne.

Wir reden nicht über Gefühle, wir reden nicht über Konflikte – ja, wir hatten in all den Jahren zuhause niemals Konflikte. Das es so etwas überhaupt geben kann ist mir jetzt, nach 10 Jahren außer Haus, unbegreiflich. Und eigentlich kann es so etwas auch nicht geben. Orte, an denen es keine Konflikte gibt, sind Orte in denen man nicht miteinander spricht. Entweder, weil man nicht will, oder weil man nicht kann: „Darüber sprechen wir halt nicht.“

Kommunikation fällt mir noch immer sehr schwer. Konflikte austragen sowieso, davon kann meine Frau ein Lied singen. Ich habe zuhause nicht gelernt zu kommunizieren, zu diskutieren oder zu streiten. Mir fällt es noch immer schwer. Ich kämpfe ständig gegen meine Schwäche ausführlich zu reden und zu schreiben an. Mit wenigen Sätzen versuche ich oft alles notwendige auszudrücken. Leider bleiben dabei viele Informationen, Gedanken und Gefühle auf dem Weg liegen. Der dann erbrochene Satz lässt oft viel vermissen – nicht nur korrekte Grammatik. Viel vor allem von dem, was ich eigentlich zu sagen hätte, aber nicht kann.

An der Uni hatte ich Schwierigkeiten damit eigene Gedanken zu formulieren. Meine besten Hausarbeiten waren die, bei denen ich möglichst viele fremde Quellen (korrekt) zitieren und in einen logischen Zusammenhang bringen konnte. Selbstständig etwas niederzuschreiben, zu formulieren, zu entwickeln führte mir oft vor Augen, was ich nicht kann.

Und heute – nachdem ich elf Jahre vom Elternhaus weg bin, acht Jahre mit meiner Frau zusammen bin (die mich zum reden und streiten auffordert), drei Jahre nach meinem Master-Abschluss und drei Jahre mit zwei eigenen Kindern – fürchte ich mich immer noch vor dem Reden, Diskutieren und dem Niederschreiben von Gedanken. Immer schwingt die Angst mit, nicht zu genügen. Ich lese täglich so viele Texte, so viele wundervolle Gedanken in anderen Blogs, bei Facebook oder Twitter, und immer bleibt der Wunsch hängen: ich will meine Gedanken auch so strukturiert und lesenswert niederschreiben und äußern können.

Jeder selbstverfasste Text ist ein Schritt. Ein Schritt weg von der Sprachlosigkeit mit der ich aufwuchs und die mich ständig begleitet.